Yadegar Asisi skizziert im Atelier, Foto Carow Krekow © asisi

YADEGAR ASISI

Seit 2003 realisiert der in Wien geborene, in Sachsen aufgewachsene und seit 1979 in Berlin (West) lebende Künstler Yadegar Asisi die weltgrößten 360°-Panoramen mit einer Höhe von bis zu 32 Metern und einem Umfang von bis zu 110 Metern. Was in einem denkmalgeschützten, ehemaligen Gasometer in Leipzig begann, hat sich seitdem zu einer Künstlerwerkstatt mit Panoramahäusern in derzeit sechs Städten entwickelt. Neben Leipzig, Dresden und Berlin sind die Panoramen Yadegar Asisis seit Ende 2014 auch in Pforzheim sowie in Rouen in Frankreich und seit 2016 auch in Lutherstadt Wittenberg zu sehen. In Hannover wird ab dem 18.11.2017 ein Panorama eröffnet. Weitere Standorte im In- und Ausland werden derzeit diskutiert.

Als Ausstellungsarchitekt von »Sehsucht – Das Panorama als Massenunterhaltung des 19. Jahrhunderts« in der Bundeskunsthalle in Bonn entdeckte Yadegar Asisi 1993 den Kunstraum Panorama für sich. Seitdem beschäftigt er sich mit den Möglichkeiten des Mediums Panorama und entwickelt die Kunstform kontinuierlich weiter. Als Absolvent des Studienfachs Malerei an der Hochschule der Künste in Berlin (heute Universität der Künste) berücksichtigt Asisi dabei ein akademisches Kunstverständnis. Er legt großen Wert u.a. auf Perspektive oder Form-, Farb- und Pigmentlehre. „Wer einen Gegenstand gezeichnet hat, hat ihn wirklich verstanden“, bekennt der Bewunderer der Renaissancemaler Andrea Mantegna und Leonardo da Vinci.

Asisi komponiert aus seinem projektbezogenen Recherchearchiv von bis zu 50.000 Fotografien, Zeichnungen, Skizzen und Malereiarbeiten die bildgewaltigen Panoramen. Zur „Materialsammlung“ führt er oft umfangreiche Recherche- und Fotoreisen zum jeweiligen Thema durch: z. B. nach Brasilien für AMAZONIEN, in den Himalaya für EVEREST, nach Australien für GREAT BARRIER REEF, in die Türkei und den gesamten Mittelmeerraum für PERGAMON oder aber durch deutsche und mitteleuropäische Lande für LEIPZIG 1813 oder DRESDEN IM BAROCK. Zusätzlich werden nach einem mit Wissenschaftlern besprochenen Story-Board aufwändige Fotoshootings mit Laiendarstellern, Komparsen und weiteren Ausstattungselementen durchgeführt, um Szenenbilder zu erhalten, die Asisi in das architektonisch-topografische Grundgerüst des Panoramas einarbeitet.

Mit viel Aufwand für szenische, historische, architektonische und topografische Details setzt Asisi die Werke anhand seiner Vorarbeiten und der Zuarbeiten seines etwa 15-köpfigen Kernteams aus unzähligen Bildebenen am Computer um, bevor sie auf drei Meter breite und 32 Meter lange Stoffbahnen gedruckt, konfektioniert und in den Rundgebäuden installiert werden. Auf dem Höhepunkt der Panorama-Entstehung, oft begleitet von einer einführenden Ausstellung, finalisiert der beseelte Panoramist die Riesenrundbilder von Hand mit Pinsel und Farbe am Ausstellungsort. Parallel werden Licht und Ton für die gewünschte Grundatmosphäre sowie die jeweiligen Tag- und Nachtsequenzen eingerichtet.